E-Learning kann mit den gleichen Standards evaluiert werden wie Präsenz-Angebote. Es gibt aber ein paar Eigenheiten zu beachten. Im Folgenden werden diejenigen Aspekte aufgelistet, die bei e-Learning-Angeboten eine spezielle Gewichtung erfahren.

Qualitätssicherung in e-Learning-Angeboten

Auftragsklärung

Bei der Auftragsklärung mit der Auftraggeberin / dem Auftraggeber sind die folgenden Punkte speziell aus Sicht von Blended Learning Angeboten zu betrachten. Häufig rückt hier nämlich das e-Learning zugunsten der Präsenzzeit in den Hintergrund.

  • Projektziele
  • Zielgruppe
  • Lernorte
  • Lernzeiten
  • Infrastruktur
  • IT
  • Projektmanagement: Zeitplanung, Meilensteine, Ressourcenplanung, Verantwortlichkeiten, Dokumentation, Projekt-Evaluation

Technologie / Tools

Es ist nicht egal, welche Tools und Programme eingesetzt werden. Hier ist der/die Auftraggeber/in gefordert, klare Anforderungen zu formulieren. Die Entwickler/innen von e-Learning-Angeboten evaluieren dann, welche konkreten Tools und Programme insgesamt die Anforderungen erfüllen

  • Kriterien für LMS (LernManagementSystem, z.B. Lernplattform)
  • Vorgaben / Standards für Entwicklungstools
  • Vorgaben / Standards für die Tools, die bei der Durchführung verwendet werden
  • Vorgaben CI / Design
  • Vorgaben Datenschutz: (Persönlichkeitsschutz, Big Data, Zugänge, Copyright, Lizenzen, Nutzungsrechte)
  • Unterhalt der Systeme / Tools
  • Unterhalt/Weiterentwicklung der Lernangebote

Bedarfsanalyse

Die Bedarfsanalyse als solche unterscheidet sich nicht von der Bedarfsanalyse in der Bildung allgemein. Da aber Technik eingesetzt wird, ist den besonderen Bedürfnissen auch ganz gezielt Rechnung zu tragen, so dass alle Zielgruppen auch tatsächlich den grösstmöglichen Nutzen von der Technik haben.

  • Bedürfnisse der Zielgruppe
  • Bedarf der Zielgruppe (gemäss Berufsbildern, verlangten Handlungskompetenzen, Rahmenlehrplänen, Bildungsverordnungen)
  • besondere Bedürfnisse: barrierefreier Zugang (für Seh-, Hörbehinderte), günstige Infrastruktur
  • Lernerfolgskontrolle
  • Kompetenznachweise und Abschlüsse
  • Anschlussfähigkeit bzw. weiterführende oder vorausgesetzte Angebote
  • Dokumentation
  • Evaluation

Didaktisches Grob-Konzept

Wesentlich bei der didaktischen Grobplanung ist das Ineinandergreifen von Präsenzunterricht und e-learning. Auf die Schnittstellen muss sorgfältig geachtet werden. Auch e-Learning-Inhalte müssen didaktisch aufbereitet werden und der Präsenzunterricht präzis darauf abgestimmt werden. Für besondere Herausforderungen sorgen hier Kompetenzen, insbesondere Handlungskompetenzen und Soft Skills. Hier muss sehr genau überlegt werden, was virtuell und was in Präsenz gelernt werden soll und kann und welche Transfermöglichkeiten geboten werden.

  • Lernziele, Kompetenzziele
  • Lerngefässe/Tools: Videos, Clips, Apps, virtuelles Klassenzimmer, Dateiablage, Tests, Lernapps, Chat, MOOC, Links, Forum, Webinar
  • Angebotssteuerung: Module, gestaffelte Freischaltung, Lehrgänge
  • Leistungsvereinbarung Lehrende - Lernende (zur Verfügung stehende Zeit, Verfügbarkeit Support und Coaching, Netiquette)
  • Struktur und Aufbau des Angebotes, Voraussetzungen (Lernniveau), Lernaufwand, Anschluss-Angebote
  • Lernerfolg überprüfen, Feedback, Nachweis der erbrachten Leistungen, Kompetenznachweise, Ausstellung von Kursbestätigungen / Zertifikaten
  • Evaluation (Befragungen, Qualitätssicherung, Wirkungsüberprüfung)
  • Lehrpersonen und ihre Rollen (didaktische Kompetenz, fachliche Kompetenz, IT-Kompetenz, Coaching-Kompetenz)

Produktion

Die Produktion  Medien und Unterlagen für das e-Learning erfordert interdisziplinäre Zusammenarbeit und Beizug von Expert/innen. Dies ist für viele Anbieter eine ganz neue Herausforderung und braucht ein kompetentes Projektmanagement.

  • Vorgehen gemäss Projektplanung oder gemäss definiertem Prozess?
  • Vorgaben zu Bild- / Video- / Ton- / Textformaten vorhanden und eingehalten?
  • Vorgaben zu zu verwendenden Tools, Apps, Software, LMS vorhanden und eingehalten?
  • Knowhow vorhanden und weiterentwickelt? (Weiterbildung, Beizug von Fachleuten, Interdisziplinäre Zusammenarbeit)
  • Sind alle Videos, Bilder, Texte und alles Material (z.B. für Webinar) erstellt?
  • Wurde das fertige Angebot getestet (wenn möglich durch Zielgruppe) und optimiert, bis alle Vorgaben erfüllt sind?
  • Wann und durch wen erfolgte die Freigabe?

 Angebot

Beim Angebot gelten in der Qualitätssicherung wiederum die gleichen Standards wie bei Präsenz-Angeboten. Deutlich erhöht aber sind die Anforderungen bzgl. Nutzungsrechte einerseits und Support andererseits.

  • Ist der Inhalt selbsterklärend, fehlerfrei, verständlich, zielgruppenadäquat?
  • Entspricht die Gestaltung den Vorgaben? (Bild- und Tonqualität, Interaktivität, Corporate Identity)
  • Sind die Nutzungsrechte für die Medien transparent?
  • Dienen die Inhalte und die Vorgehensweisen dem Erreichen der Lernziele? Ist die didaktische Reduktion der Inhalte zielführend?
  • Ist das Angebot attraktiv? (Abwechslung, Interaktivität)
  • Wie wird die didaktische Begleitung sichergestellt? (Moderation von Webinaren, Feedback und Standortbestimmungen, Unterstützung bei Problemen)
  • Wie wird der Support bei technischen Fragen und Problemen gewährleistet? (BYOD, Login, Verbindungsprobleme)
  • Wie zufrieden sind die Teilnehmenden? (Feedback wie bei der analogen Unterrichtsevaluation)
  • Wie zufrieden sind die Auftraggeber? (Erfüllung der Leistungsvereinbarung, Nutzen für die Praxis)

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