Dieser internationale Standard wurde für alle Arten von Bildungseinrichtungen, vom Einzeltrainer bis zur Universität, geschaffen. Er wurde zwar vorrangig für die betriebliche Ausbildung und berufliche Weiterbildung geschrieben, eignet sich jedoch auch explizit und hervorragend für Schulen, Oberstufenzentren und Hochschulen, Berufsausbildung, Privatschulen, Fernlehre, Akademien, Fachhochschulen und Universitäten.

Die Norm DIN ISO 29990:2010 war seit 2010 verfügbar. Sie fand im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) besonders viel Anklang und ist hier inzwischen das nach ISO 9001 am häufigsten zertifizierte Managementsystem im Bereich der Aus- und Weiterbildung. Ab 2020 wurde DIN ISO 29990 durch ISO 21001:2018 abgelöst.

ISO 21001 umfasst Anforderungen zu folgenden Themen:

  • Umfeld der Organisation (Erwartungen von Lernenden, Unternehmen, Auftraggebern von Bildung)
  • Führung (Im Zentrum: Nutzen und Wirkung eines Angebotes. Die Leitung sorgt für ein Umfeld für die Lehrpersonen, welches eine ökonomische, effiziente und effektive Lerndienstleistung sicherstellt)
  • Planung (Risiken und Chancen ermitteln, bewerten und daraus Massnahmen zugunsten der Zielerreichung ableiten. Im Zentrum steht Lernen und Lernerfolg)
  • Unterstützung (Kompetentes Personal, hohe fachliche und methodisch-didaktische Kompetenz, geeignete Infrastruktur und Unterrichtsmittel)
  • Unterricht (stetige Weiterentwicklung der Bildungsangebote und des Unterrichts mittels Evaluationen und Feedbacks. Transparente Darstellung der Bildungsangebote sowie der Bildungsinstitution und deren Leitideen)
  • Bewertung (systematische Evaluation der Wirkung. Massnahmen um die gesteckten Ziele zu erreichen)
  • Verbesserung (Offene Fehlerkultur, lernende Organisation)

Entstehung

Nachdem in vielen Ländern der Konkurrenzdruck im Bildungsbereich enorm zugenommen hatte und die Positionierung auf dem Markt in den Neunzigerjahren an Bedeutung gewann, entstanden mehrere spezifische Qualitätssicherungs-Systeme für Bildungsdienstleister, von denen sich aber keines so richtig breit durchsetzen konnte. Das DIN (Deutsches Institut für Normung) ergriff Anfang 2006 die Initiative zur Entwicklung eines bildungsspezifischen internationalen QMS und beauftragte ein international zusammengesetztes Team aus Pädagog*innen, Auditor*innen sowie Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen. So entstand ISO 29990.

Es zeichnete sich schnell ab, dass die neue Norm sehr gut akzeptiert wurde und einem Bedürfnis entsprach. Mit ISO 21001 wird nun der Komplexität des Bildungsmarktes und seinen Bedürfnissen noch besser entsprochen, die neue Norm ist vergleichbar mit ISO 9001 und entsprechend aufgebaut.

ISO 21001 kann mit ISO 29991:2014 (Sprachschulen), mit ISO 29993:2017 (Bildungsangebote innerhalb einer ISO 9001 zertifizierten Firma) sowie ISO 29994:2021 (Fernunterricht) kombiniert werden. Diese Normen sind Stand Mai 2021 noch nicht offiziell in Deutsch verfügbar. ISO 21001 kann aber bereits zertifiziert werden, Akkreditierte Zertifizierungsstellen findet man bei der Schweizerischen Akkreditierungsstelle SAS

Zertifizierung

Für die Zertifizierung meldet sich eine Schule bei einer anerkannten Zertifizierungsstelle an.

Vorbereitung

Viele Institutionen ziehen für die Zertifizierung eine/n Berater/in hinzu, um das Qualitätsmanagement-System von Anfang an umfassend zu dokumentieren.

Sehr gute Informationen zum Bildungsmanagement enthält das Handbuch  "Qualitätsmanagement in der Aus- und Weiterbildung", hrsg. DIN, erschienen und zu bestellen bei Beuth Verlag GmbH. Es legt die Anforderungen von ISO 29990 verständlich dar und enthält die Norm im 1. Teil und die Auslegungen der Norm im 2. Teil). Der 3. Teil ist dann normunabhängig. Da das Handbuch die (inzwischen veraltete) Norm enthält, ist es relativ teuer, aber die Anschaffung lohnt sich vielleicht trotzdem.

Zur ISO 21001 liegt von Florian Mai der "Praxisleitfaden ISO 21001: Die ISO 9001 der Bildungsbranche" als Taschenbuch vor, erschienen am 1.5.19 im Selbstverlag.

Voraudit

Vor der ersten Zertifizierung findet üblicherweise ein Voraudit statt, um abzuklären, ob die Zertifizierungsreife gegeben ist.

Zertifizierung

Die Institution wird mit einem Audit vor Ort zertifiziert. Dabei wird überprüft, ob die Normen-Konformität gegeben ist.

Die Institution erhält einen Auditbericht und - falls die Zertifizierungsbedingungen erfüllt sind - ein Zertifikat über drei Jahre.

Aufrechterhaltungsaudit

In den folgenden zwei Jahren finden Aufrechterhaltungsaudits statt. Dabei werden die wesentlichen Prozesse und Veränderungen sowie erreichte Verbesserungen überprüft. Hierbei werden auch die übrigen Standorte besucht, sodass innert drei Jahren alle Standorte auditiert wurden.

Rezertifizierung

Drei Jahre nach der Zertifizierung muss das Zertifikat erneuert werden und es beginnt ein neuer Zyklus mit (Re-)Zertifzierungs-Audit und zwei Aufrechterhaltungsaudits.

Vor- und Nachteile

  • ISO 21001 entspricht im Aufbau nun den andern grossen ISO Normen und ist entsprechend gut kombinierbar.
  • Bildet alle wesentlichen Prozesse einer Schulungsinstitution (eines Lerndienstleisters) ab.
  • Verwendet eine einheitliche, bildungsspezifische Terminologie.
  • Lässt eine schnelle Einarbeitung und eine praxisnahe Anwendung zu.
  • Im Mittelpunkt stehen die Lernenden mit ihren Bedürfnissen und Anforderungen
  • Wie bei ISO 9001 bilden die Chancen und Risiken die Orientierungspunkte für die Strategie und Weiterentwicklung
  • Die Umsetzung erfordert eine partizipative Vorgehensweise sowie die Fokussierung auf den Lernprozess.
  • Auch wenn man sich nicht zertifizieren lässt, kann man aus dieser Norm sehr viele Impulse für die eigene Schulführung entnehmen.
  • Die Norm ist in der öffentlichen Wahrnehmung noch wenig präsent.
  • ISO-Normen werden irrtümlicherweise häufig mit früheren, stark industrie- und dokumentenlastigen Versionen von ISO 9001 gleichgesetzt. Inzwischen sind aber alle ISO-Normen überwiegend auf die Kundenorientierung, das Risikomanagement und die Wirksamkeit der Prozesse ausgerichtet.